Start Interviews „Es ist der Druck zur Transformation, der jetzt alles bestimmt“

„Es ist der Druck zur Transformation, der jetzt alles bestimmt“

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VR Equitypartner
„Es ist der Druck zur Transformation, der jetzt alles bestimmt“
Christian Futterlieb, VR Equitypartner

Bildnachweis: VR Equitypartner.

Der deutsche Mittelstand steht vor tiefgreifenden Veränderungen: Energiepreise, internationale Konkurrenz und Künstliche Intelligenz erhöhen den Transformationsdruck. Christian Futterlieb, Geschäftsführer von VR Equitypartner, spricht über neue Geschäftsmodelle, Buy-and-Build, Mezzanine-Finanzierungen und die Rolle von KI bei der Unternehmensentwicklung.

VC Magazin: Herr Futterlieb, vielleicht zum Einstieg eine grundsätzliche Frage: Wie ist aktuell die Stimmung im Mittelstand?

Futterlieb: Zuversichtlich, aber jeder weiß auch, dass es Zeit für Veränderungen ist. Das spürt man. Man kann diese Herausforderungen annehmen und sein Unternehmen zukunftsfähig aufstellen, man kann aber auch durch Untätigkeit erhebliche Risiken eingehen. Gleichzeitig haben die deutschen Mittelständler ihre besonderen Probleme zu lösen – sei es der Energiepreisschock, der Wettbewerb mit chinesischen Firmen oder die Anwendung Künstlicher Intelligenz.

VC Magazin: Unter welcher Überschrift würden Sie die Herausforderungen zusammenfassen?

Futterlieb: Es ist der Druck zur Transformation, der jetzt alles bestimmt. Es gibt starke Veränderungen, etwa durch die enormen Summen, die in den Bereich Defence fließen, gleichzeitig bleibt das Thema Digitalisierung und AI oben auf der Agenda. Und Robotik wird gerade in der nach wie vor starken industriellen Basis Deutschlands das bestimmende Thema für die kommenden Jahre.

VC Magazin: Wie kommt VR Equitypartner da ins Spiel?

Futterlieb: Wer Veränderungen anstößt, braucht auch Geld und Erfahrung in der strukturierten Unternehmensentwicklung, um die Vorhaben umzusetzen.

VC Magazin: Also stehen Anpassungen bei den Geschäftsmodellen aktuell im Vordergrund, weniger die Wachstumsfinanzierung?

Futterlieb: Ja, aber das heißt ja nicht, dass nach den Anpassungen nicht auch neues Wachstum kommt, etwa durch den KI-Einsatz. Nehmen Sie die Kaske Group aus unserem Portfolio, die sich auf unserer Veranstaltung präsentiert hat. Die haben sich von einer Pharma-Marketing-Agentur zum daten- und softwaregetriebenen Plattformmodell entwickelt, bei dem KI heute eine wichtige Rolle spielt.

VC Magazin: Inwieweit spielt Buy-and-Build eine Rolle bei der Firmenentwicklung?

Futterlieb: Das spielt eine sehr große Rolle. Wir suchen Sub-Branchen, in denen man konsolidieren kann, beispielsweise bei Handwerksbetrieben aus der Kältetechnik. Wenn es eine Nachfolgeproblematik gibt, dann kann Buy-and-Build eine Lösung sein. Ansonsten würden teils hochprofitable, aber eben sehr kleine Firmen einfach vom Markt verschwinden, nur weil es keinen Nachfolger gibt.

VC Magazin: Welche Branchen stehen momentan im Fokus?

Futterlieb: Da sehen wir etwa bei TGA, der Technischen Gebäudeausstattung, einen Schwerpunkt, außerdem bei Prüfdienstleistungen und auch bei Hausverwaltungen. Im Bereich Hausverwaltungen gibt es oft mehr Nachfrage als geeignetes Angebot, gerade wenn es um digitale Lösungen geht. Und die Bereiche HealthTech und GovTech sind ebenfalls Wachstumsfelder.

VC Magazin: Die Zinsen steigen – wird Mezzanine jetzt stärker nachgefragt?

Futterlieb: Ja, das merken wir deutlich, schon seit 2025. Davor war es kaum ein Thema, weil die Banken risikofreudiger waren.

VC Magazin: Wie wird das bepreist?

Futterlieb: Das ist individuell sehr unterschiedlich, aber wir sind da zinsmäßig heute mittlerweile vor dem Hintergrund des allgemein gestiegenen Zinsniveaus im zweistelligen Bereich. Die Attraktivität dieser Finanzierungsform liegt in ihrer Flexibilität, was die Vereinbarung von Zinsen, Laufzeiten und Thesaurierung angeht. Mezzanine kann auch zum Einsatz kommen, wenn ein Gesellschafter ausscheiden will, da rechnen wir zukünftig mit zusätzlichem Geschäft.

VC Magazin: Wie sieht die Pipeline aus?

Futterlieb: Gut. Wir haben im ersten Halbjahr schon rund 70 Prozent des geplanten Neugeschäfts für das Gesamtjahr gemacht. Die Pipeline ist voll, der Transformationsdruck bringt viele neue Transaktionen.

VC Magazin: Wo kommt KI in den Prozessen zum Einsatz?

Futterlieb: Natürlich schon bei der Due Diligence, aber auch durch unsere Dienstleister bspw. bei der Compliance-Prüfung. KI kann das Risiko senken, dass man etwas übersieht und die Prozesse beschleunigen. Außerdem haben wir uns natürlich zusammengesetzt und bei einigen Software- und IT-Services- Geschäftsmodellen die Frage gestellt, wie wirkt sich KI auf der Chancen- aber auch der Risikoseite aus? Wie disruptiv ist das? Programmierarbeiten z. B. können durch Tools wesentlich effizienter erledigt werden. Wir müssen aber auch ehrlich sein und sagen, vieles ist heute noch gar nicht absehbar.

VC Magazin: Herr Futterlieb, vielen Dank für das Gespräch!

Über den Interviewpartner:

Christian Futterlieb ist Geschäftsführer von VR Equitypartner.

Das Interview wurde von Peter Köhler geführt.